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Max – Die letzte Nacht | Kurzgeschichte

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Bella & Max – Die letzte Nacht | Kurzgeschichte Bella & Max – Die letzte Nacht Kurzgeschichte Teilen auf Facebook Link kopieren Bella war eine kleine Chihuahua-Hündin. Sie reiste mit ihren Menschen auf einem großen Schiff. Für sie bedeutete das: warmes Körbchen, ruhige Stimmen, Sicherheit. Max war ein langhaariger, cremefarbener Chihuahua. Er reiste mit anderen Hunden weiter unten im Schiff. Es war lauter dort, enger, aber Max war aufmerksam. Er kannte Gerüche, Geräusche, Veränderungen. Sie begegneten sich zufällig. Bella hatte ihre Menschen aus den Augen verloren. Max blieb stehen. Er ging nicht weg. Das reichte, damit sie sich beruhigte. Von da an suchten sie einander. Sie lagen nebeneinander, manchmal mit Abstand, manchmal Fell an Fell. Keine Spiele. Keine Unruhe. Nur Nähe. In der...

Was bleibt

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Der Chihuahua war klein genug, um übersehen zu werden. Genau deshalb nahm sie ihn mit. Er passte in ihre Tasche, in ihr Leben, in die Lücken, die seit dem Tod ihres Mannes geblieben waren. Nicht, weil er sie füllte – sondern weil er sie respektierte. Der Hund war ruhig. Er bellte kaum. Er drängte sich nicht auf. Wenn sie sich bewegte, folgte er ihr langsam, ohne Eile, ohne Forderung. Und wenn sie stehen blieb, setzte er sich hin und wartete. Nicht auf ein Kommando. Auf sie. Sie hatte vergessen, wie es sich anfühlte, gesehen zu werden, ohne etwas leisten zu müssen. Der Chihuahua tat genau das. Er sah sie an, aber nicht prüfend. Nicht neugierig. Sondern still. Manchmal dachte sie, er erinnere sie an ihren Mann. Nicht an sein Gesicht, nicht an seine Stimme – sondern an seine Art, da zu sein. Diese unaufdringliche Nähe, die keinen Raum einnimmt und trotzdem alles verändert. Abends saß sie oft auf dem Sofa, ein Buch in der Hand, ohne zu lesen. Der Hund lag neben ihr, so nah, dass sie seine ...

Im Schnee bei meinem Namen

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Als der Regen auf die Windschutzscheibe prasselte, dachte ich nur an eines: schneller nach Hause. Anna wartete mit den Kindern. Es war spät, die Straße glatt, und der Gedanke an ihr Lachen hielt mich wach. Dann kam das Licht. Zu hell. Zu nah. Ein Knall, Metall, Stille. Als ich die Augen wieder öffnete, roch die Welt anders. Schärfer. Kälter. Ich wollte sprechen, Annas Namen rufen – doch aus meiner Kehle kam nur ein Winseln. Ich sah meine Pfoten. Schwarz-weißes Fell . Ein Hund. Ich rannte panisch los, bis mich Stimmen einfingen. „Der Arme… bestimmt ausgesetzt.“ Hände, warm und vorsichtig. Und dann sah ich sie. Anna. Ihre Augen rot vom Weinen. Neben ihr die Kinder. Mein Herz – wenn es noch meines war – schlug so heftig, dass mein ganzer Körper bebte. Sie nahmen mich mit nach Hause. Ich wusste sofort: Das war meine Familie. Ich kannte jede Stufe, jeden Geruch, jede knarrende Diele. Nachts lag ich vor der Schlafzimmertür, genau wie früher, wenn ich nicht schlafen konnte und lauschte, ob al...