Was bleibt
Der Chihuahua war klein genug, um übersehen zu werden. Genau deshalb nahm sie ihn mit. Er passte in ihre Tasche, in ihr Leben, in die Lücken, die seit dem Tod ihres Mannes geblieben waren. Nicht, weil er sie füllte – sondern weil er sie respektierte. Der Hund war ruhig. Er bellte kaum. Er drängte sich nicht auf. Wenn sie sich bewegte, folgte er ihr langsam, ohne Eile, ohne Forderung. Und wenn sie stehen blieb, setzte er sich hin und wartete. Nicht auf ein Kommando. Auf sie. Sie hatte vergessen, wie es sich anfühlte, gesehen zu werden, ohne etwas leisten zu müssen. Der Chihuahua tat genau das. Er sah sie an, aber nicht prüfend. Nicht neugierig. Sondern still. Manchmal dachte sie, er erinnere sie an ihren Mann. Nicht an sein Gesicht, nicht an seine Stimme – sondern an seine Art, da zu sein. Diese unaufdringliche Nähe, die keinen Raum einnimmt und trotzdem alles verändert. Abends saß sie oft auf dem Sofa, ein Buch in der Hand, ohne zu lesen. Der Hund lag neben ihr, so nah, dass sie seine ...

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