Max – Die letzte Nacht | Kurzgeschichte

Bella & Max – Die letzte Nacht | Kurzgeschichte

Bella & Max – Die letzte Nacht

Kurzgeschichte
Bella war eine kleine Chihuahua-Hündin. Sie reiste mit ihren Menschen auf einem großen Schiff. Für sie bedeutete das: warmes Körbchen, ruhige Stimmen, Sicherheit. Max war ein langhaariger, cremefarbener Chihuahua. Er reiste mit anderen Hunden weiter unten im Schiff. Es war lauter dort, enger, aber Max war aufmerksam. Er kannte Gerüche, Geräusche, Veränderungen. Sie begegneten sich zufällig. Bella hatte ihre Menschen aus den Augen verloren. Max blieb stehen. Er ging nicht weg. Das reichte, damit sie sich beruhigte. Von da an suchten sie einander. Sie lagen nebeneinander, manchmal mit Abstand, manchmal Fell an Fell. Keine Spiele. Keine Unruhe. Nur Nähe. In der Nacht änderte sich etwas. Max spürte es zuerst. Der Boden vibrierte anders. Kalte Luft. Dann der Geruch von Wasser. Menschen wurden laut. Türen fielen zu. Bella war allein. Sie war zu klein, um gesehen zu werden. Max fand sie. Er stellte sich vor sie, damit niemand auf sie trat. Dann führte er sie nach oben. Schritt für Schritt. Immer wieder blieb er stehen und wartete. Das Schiff neigte sich. Das Meer war nah. Sehr kalt. Sehr dunkel. Max sah ein großes Stück Holz im Wasser. Er testete es mit den Pfoten. Es trug nur einen. Bella wollte bei ihm bleiben. Sie drängte sich an ihn. Max drückte kurz seine Nase an ihren Hals. Sein langes, cremefarbenes Fell war schon nass. Er half ihr auf das Holz. Dann trat er zurück. Bella fiepte leise. Max blieb ruhig. Er sah sie an, bis sie nicht mehr zitterte. Dann kam das kalte Wasser. Max schwamm, solange er konnte. Bella sah ihn, bis Wellen und Dunkelheit ihn nahmen. Am Morgen wurde Bella gefunden. Sie ließ alles mit sich geschehen. Viele Jahre später lag sie alt in einem warmen Raum. Wenn Wind durch das Fenster kam, hob sie den Kopf. Dann erinnerte sie sich an einen langhaarigen, cremefarbenen Chihuahua, der geblieben war, damit sie leben konnte.

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